Gemeindereferentinnen Bundesverband

Die Übermacht definitiver Festlegungen - Partizipation nach Stand und Geschlecht

von Norbert Lüdecke

Vorbemerkungen

a) Zu den Aufgaben eines Kirchenrechtswissenschaftlers gehört Aufklärung ‑ Aufklärung über den rechtlichen Status quo der römisch-katholischen Kirche und damit über deren verbindliches Selbstverständnis. Ein nicht politisch, sondern wissenschaftlich arbeitender Kanonist muss nüchtern darauf hinweisen: An der geltenden Rechtsordnung ist die Theologie des Gesetzgebers ablesbar. Ein redlicher Kanonist wird die lehramtlichen Positionen ernstnehmen und sich der verbreiteten Methode entziehen, sie im Sinne persönlich geschätzter theologischer Ansätze (wie etwa dem von Kollegen Essen) oder im jeweiligen Publikum vermuteter Wünsche umzubiegen.

b) Aufgetragen war, den unveränderlichen Rahmen für Partizipationsräume in der Kirche zu behandeln. Das soll im genannten Sinne gerne geschehen. Es wird also nicht um theologische Optionen gehen, sondern um analytisch zutreffende Deskriptionen. Kritisieren Sie mich gern für falsche Analysen, aber bitte nicht, wenn Ihnen ein richtiges Ergebnis nicht gefällt. Im Übrigen trage ich als Laie keinerlei ursächliche Verantwortung für das, was ich Ihnen vorzustellen habe. Für Risiken oder Nebenwirkungen meines Vortrags wenden Sie sich bitte an die Veranstalter.

c) Ich gendere meine Ausdrucksweise nicht. Das würde kirchenamtliche Texte verfremden. Außerdem sollte die strukturierende Rolle des Geschlechts in der römisch-katholischen Kirche nicht sprachlich überspielt werden.

1. Heilskirche als Rechtskirche

Das II. Vatikanische Konzil lehrt in seiner ekklesiologischen Magna Charta Lumen gentium: Die Kirche will als Glaubensgemeinschaft alle Menschen auf den Weg des Heils holen und sie dort halten. Zur Heilsfindung und zum Heilsgeleit hat Christus seine Kirche ebenso gleichursprünglich wie gleichwesentlich als Rechtsgemeinschaft errichtet (LG 8). Es gibt mithin katholisch nicht eine Kirche in rechtlicher Perspektive und eine Kirche in anderer Sicht, die man gegeneinander ausspielen könnte. Weil und insofern Christus auch durch die Institution wirksam ist und durch sie Wahrheit und Gnade auf alle ausgießt, ist die Rechtsgestalt der Kirche Heilsorgan, verwirklicht sich Heilsteilhabe durch Rechtsgefolgschaft. Daran sollte man immer erinnern, wenn versucht wird, Strukturfragen als Selbstbespiegelungen zu verleumden und etwa gegenüber der Gottesfrage herunterzuspielen oder die Geltung kirchenrechtlicher Vorschriften mit Formulierungen wie „Theologisch gilt aber ...“ in Frage zu stellen. Wer Strukturen bagatellisiert, ist vielleicht ihr Nutznießer, sicher aber steht er nicht auf dem Boden der Konzilslehre.

2. Stände- und geschlechterhierarchische Papstkirche

Auch die strukturelle Grundgestalt der Kirche wird im II. Vatikanum auf Christus zurückgeführt und gilt so als unabänderlich (LG 8). Ihre konkrete sakrosankte Rechtsgestalt ist die stände- und geschlechterhierarchisch aufgebaute Papstkirche. Der männlich-klerikale Leitungsstand ist vom gemischtgeschlechtlich-laikalen Gefolgschaftsstand strikt geschieden. In der Taufe gründet die Würdegleichheit aller Gläubigen, in Geschlecht und Weihe ihre ontologische und rechtliche Ungleichheit.

3. Ständeabschließung

Der sehr kleine Männerstand der Kleriker, einschließlich des winzigen Bischofsstandes, ist vom Laienstand dreifach abgeschlossen: 

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