Gemeindereferentinnen Bundesverband

Pasti oder Antipasti

von Max Pilger

Im Rahmen der Hauptversammlung des BDKJ 2017 fand ein Studienteil statt, der sich mit der Frage beschäftigte, warum immer weniger Menschen sich für einen Beruf in der katholischen Kirche entscheiden – und was zu tun sei, um das zu verändern. Ich habe dazu als Studierender und Mitglied im Bewerber*innenkreis im Erzbistum Köln – quasi als Betroffener – ein Statement abgegeben.

Warum studiere ich katholische Theologie?

Pastoralreferent zu sein fand ich, ganz unreflektiert, immer schon gut – weil ich tolle Gemeindearbeit erlebt habe und Menschen zum Vorbild hatte, die zu 100 % authentisch waren, die mich geprägt haben und von denen ich den Eindruck habe, dass sie ihre Arbeit mit ganzem Einsatz und ganzer Freude machen. Das fand ich erstrebenswert, denn sie haben in meinen Augen gute und sinnvolle Dinge gemacht, für andere und für sich. Die Wahl des Studienfachs ist mir dann irgendwie so passiert, denn ehrlich gesagt hatte ich die Einschreibungsfrist für Studiengänge mit NC verpasst, und Theologie war eben zulassungsfrei.

Das ist meines Erachtens ein erster wichtiger Punkt: Junge Menschen brauchen Vorbilder, an denen sie erleben, dass es gut ist, in der Kirche zu arbeiten! Und das müssen Menschen sein, die etwas auf dem Kasten haben, um Jugendliche zu begeistern, die auch etwas auf dem Kasten haben. Und das ist ein Teufelskreis: weniger fähige Mitarbeiter*innen, weniger Vorbilder, noch weniger fähige Mitarbeiter*innen.

Das Studium ist eben ein Studium. Es gibt Dinge, die interessieren mich, und es gibt Dinge, die interessieren mich nicht. Ein Studium ist eben nicht besonders praktisch sondern reflektiert bestenfalls Praktiken, auch das ist okay. Mein Problem war eher, dass die Inhalte so unglaublich wenig mit der Lebensrealität der Menschen zu tun haben, die sich nicht im katholischen Kontext bewegen. Ohne die Jugendverbände hätte ich sicher abgebrochen. Denn: Unter meinen Kommiliton*innen habe ich fast keine Gesprächspartner*innen für die wirklich wichtigen Fragen gefunden – mit denen ich drüber sprechen könnte, was ich eigentlich wirklich glaube, wo meine Zweifel liegen, nicht nur, was ich kirchenpolitisch kritisiere. Diese Menschen habe ich im Verband getroffen.

Das geht bei mir sogar soweit, dass ich gerade in Seminaren sitze und mich überwinden muss, etwas zu sagen – weil ich Angst habe, von der mir gegenübersitzenden schweigenden Reihe der Kommiliton*innen in schwarzen Hemden oder Jacketts, teilweise mit Kollar, beurteilt und verurteilt zu werden. Das ist mir sehr lange nicht mehr passiert.

Das klingt furchtbar pauschal und wird den einzelnen Menschen nicht gerecht, aber der Eindruck ist da und auf den kommt es in diesem Fall an. Das muss sich ändern, nicht nur im Studium! Ehrliche Gespräche über den persönlichen Glauben, Zweifel, Brüche und Grenzen sind angstbesetzt und das macht unauthentisch.

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