Gemeindereferentinnen Bundesverband

Betriebsseelsorge auf der Stuttgart 21 - Baustelle

von Claudia Roeder

Ausgestattet mit Tagesausweisen, Helmen, Sicherheitswesten und Gummistiefeln mit Stahlkappen haben 17 GemeindereferentInnen am 9. Oktober 2017 einen beeindruckenden Vormittag mit Betriebsseelsorger Peter Maile auf der Großbaustelle Stuttgart 21 erlebt. Denn hier arbeitet Diakon Peter Maile als Seelsorger. Er ist, so sagt er, für alle da, die auf dieser riesigen Bahnbaustelle arbeiten.

Gelernt hat Peter Maile den Beruf des Heizungsinstallateurs. Er war in seiner beruflichen Laufbahn auch Heimerzieher und hat sich um Obdachlose gekümmert, bevor er zum ständigen Diakon geweiht wurde.
Politische Belange interessieren ihn nicht, erklärt er uns. Er ist zuständig für 4000 Menschen, darunter 2000 Tunnelbauer, die hier auf der weit verzweigten Tunnelbaustelle arbeiten. Zu seinen Aufgaben zählen Ehe- und Trauerbegleitung, Sorgen, Ängste und Nöte hören und handeln, Gottesdienste, aber auch Freizeitangebote, Feste feiern oder mit den Kameraden gemeinsam im Tiefbau Schicht arbeiten. Gemeinsam anpacken und arbeiten, das schweißt zusammen, so sagt Peter Maile. Zehn Tage am Stück bis zu zwölf Stunden täglich ohne Tageslicht bei ohrenbetäubendem Lärm, bei einer Stunde Pause. Eine große Herausforderung für alle. Geredet wird nicht viel, da u.a. die Sprachbarrieren riesig sind. Oft sind intensive Beratungen und Gespräche notwendig und da ist es wichtig, dass man sich in der Muttersprache unterhält. Hierzu holt sich Peter Maile dann Übersetzer, Dolmetscher für die zahlreichen Arbeiter aus Süd- und Osteuropa z.B. Bulgarien, Polen, Rumänien und Türkei. Viele sind Monate von zu Hause weg, sind einsam, ausgelaugt und überarbeitet, schlafen in Wohncontainern, da sind Depressionen an der Tagesordnung.

Peter Maile ist ein guter Zuhörer für alle Arbeiter, ob Muslime oder Christen, da wird kein Unterschied gemacht. Er sitzt mit am Tisch, wenn mit ihren Chefs über faire Löhne und Überstunden verhandelt wird, denn die Bezahlung der Arbeiter ist sehr unterschiedlich und die Grauzone ist groß.
Beim eigens organisierten Grillfest mit Gulaschsuppe oder Grillgut darf der Gottesdienst nicht fehlen. Peter Maile wird gerufen, wenn jemand verunglückt oder stirbt. Viele Vorarbeiter, Projektleiter und Chefs wissen in solchen Momenten oft nicht weiter, da ist er gefragt. Als Seelsorger kümmert sich Peter Maile um die Fahrten ins Krankenhaus und die Begleitung der Verletzten oder der Angehörigen. Ganz nebenbei werden verletzte oder kranke Arbeiter im Krankenhaus besucht, Taufen, Hochzeiten und Trauergottesdienste gefeiert.

Sehr viele kennt Peter Maile mit Namen, er grüßt hier und dort alle, die ihm begegnen und erkundigt sich nach ihrem und dem Befinden ihrer Familien und Angehörigen.

Unsere eindrucksvolle Führung mit Peter Maile endete unter Tage in der Weströhre des S-21-Tunnels Bad Cannstatt zwischen dem künftigen Tiefbahnhof und dem Rosensteinpark. Wir hatten Glück, denn am nächsten Tag, dem 10. Oktober, fand der Tunneldurchbruch statt und wir konnten ein Foto mit genialer Hintergrundkulisse aufnehmen. Herzlichen Dank an Peter Maile, einem außergewöhnlichen Menschen am richtigen Ort.