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Fazit von Regina Nagel

Ich teile hier das Fazit der Vorsitzenden unseres Frauenforums. Sie war in München, also an dem Ort, an dem ich am meisten mit Gegenwind gerechnet habe und ich freue mich über ihr Fazit.
Ich selbst habe heute Morgen auch eine Art Fazit geschrieben. Es ist etwas lang geworden, aber es könnte sein, dass ich Facebook-Freunde_innen habe, die es interessiert.
Rückblickend auf die Regionalen Veranstaltungen zum Synodalen Weg bin ich merkwürdig zwiespältig. Da ich gut vernetzt bin, bin ich recht gut informiert, wie es an den verschiedenen Orten gelaufen ist. Insgesamt richtig gut. Das Frauenpapier zu dem Themenbereich „Was ist bisher kirchenrechtlich möglich (+ ein wenig darüber hinaus) und sollte voll ausgeschöpft werden?“ kam bei einer großen Mehrheit gut an. Mehrfach wurde ausdrücklich hohe Wertschätzung gegenüber der Arbeit von uns vier Frauen des Redaktionsteams (Engelhard, Nagel, Qualbrink, Weinhardt-Franz) geäußert. Zurecht. Ich arbeite in dieser Viererrunde und überhaupt im ganzen Forum auch deshalb sehr gerne mit, weil ich darin so vielen klugen und starken Frauen begegne. Selbst (konservative) Kritik an unserem Papier wurde (in Frankfurt und München) moderat geäußert und wir wurden von anderen sogar ermutigt, evtl. noch deutlicher zu werden in unseren Veränderungsanliegen. Auch zu den anderen beiden Themen gestern gab es konstruktive Gespräche, in denen verschiedene Aspekte beleuchtet wurden.
Dennoch habe ich neben der Zufriedenheit damit ein ungutes Gefühl. Bischof Bode sagte z.B. in Ludwigshafen, die Presse haben ihn gefragt, ob es im Forum (oder in der AG 2 des Frauenforums zu Genderfragen, da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher) zwei Lager gäbe. Er habe verneint. Nun gibt es einige Bischöfe, die ich sehr schätze und ganz vorne spielt dabei für mich Bischof Bode mit. Trotzdem muss ich sagen: ich erlebe es anders. Es gibt meiner Einschätzung nach eine breite Mehrheit, die – durchaus mit unterschiedlichen Facetten und manche radikaler, andere moderater – Veränderung will, die sich z.B. in einem weiteren Arbeitsschritt klar für ein Votum nach Rom einsetzten wird, das die Priesterinnenweihe bzw. die Gleichberechtigung der Frau einfordern wird. (Wie gesagt. meine Einschätzung, ich kann mich auch verschätzen). An diesem Punkt (der nur ein besonders griffiges Beispiel ist für manch anderes) werden manche nicht mitmachen. Da wird es keinen Konsens geben. Ob man nun von Lagern oder gar von Spaltung reden sollte, da lege ich mich nicht fest. Aber Konsens und Einigkeit gibt es nicht und wird es nicht geben.
Möglicherweise lief gestern alles so friedlich ab, weil klar war, dass noch nichts beschlossen wird.
Was mich daneben beschäftigt: Herr Voderholzer geht wegen einer Verfahrensunklarheit an die breite Öffentlichkeit und löst einen Shitstorm sondersgleichen gegen seriöse, kluge, gebildete, hochengagierte Leute aus. Die Vorsitzenden entschuldigen sich und sagen (vollkommen wahrheitsgemäß), dass die ursprüngliche Vereinbarung, das Papier (das ja von allen beraten worden war und nur nochmal redaktionell überarbeitet wurde und das ja auch kein Beschlusspapier ist, sondern eine Diskussionsanregung) vor Versand an die Synodalen nochmal ans Forum zu senden, aus zeitlichen Gründen nicht möglich war. Darüber wurden zunächst wir in der Redaktionsgruppe informiert, dann das ganze Forum. Außer des Voderholzerbriefs gab es dazu keine Reaktion (zumindest keine an einen Mailverteiler). Die Vorsitzenden bestätigen auch, dass der bibeltheologische Teil erst später für das ganze Papier erarbeitet wird. In der Redaktionsgruppen haben wir nur ein paar wenige bibeltheologische Anmerkungen in die Einleitung reingeschrieben, um dem Vorwurf vorzubeugen, dass in unserem Text überhaupt kein biblischer Bezug drin sei.
Und was passiert? Erneuter Shitstorm voller Unterstellungen. (z.B. auf katholisch.de)
Ich habe sehr viel gelesen, was Leute so alles zu wissen meinen und daraus ihre gnadenlose Verurteilung ableiten. Es ist in gewisser Weise faszinierend, zu lesen, was von Ahnungslosen und Unbeteiligten über einen Vorgang geschrieben wird, bei dem ich selbst dabei war und weiß, was war.
Was mir auffällt: Die Kritisierten reagieren rasch und offen auf die Kritik und bitten um Entschuldigung für kleine Fehler (die immer passieren in Gremienarbeit und die normalerweise halt dazu führen, dass ein Gremium seine Arbeit reflektiert und ggf. neue Vereinbarungen trifft). Die bösartige Kritik der Katholikalen bleibt – auch nach der Klarstellung. Was mich wirklich trifft, ist der Angriff auf meine hochqualifizierten Kolleginnen, dass sie theologischen Blödsinn geschrieben hätten (sinngemäß). Ich hätte mir gewünscht, dass die Vorsitzenden dazu und zu den einseitigen theologischen Aussagen im Voderholzerbrief, auch was sagen. Vielleicht war es aber auch besser, nicht viel zu sagen. Denn was ist denn eigentlich schon passiert? Ein einziges von ca. 230 Synodalen hat halt schon vor den Versammlungen gemeint, er müsse eine Meinung raushauen. Eine Meinung von vielen. Punkt.
Auf eines möchte ich noch eingehen. Drei Worte im Text greift Voderholzer heraus: „Jesus weihte nicht.“ Aus meiner Sicht ist dieser Satz (der im Endtext von mir aus gern auch wieder raus kann) ein Denkanstoß. Bischof Voderholzer z.B. hat vor einer Weile ans Forum (ohne dass er darum gebeten worden war) Berge von Material geschickt, in dem begründet wird, warum eine Priesterinnenweihe unmöglich ist (weil Jesus ein Mann war, weil er nur Männer beauftragt hat, weil nur ein Mann Christus repräsentieren kann in der Eucharistiefeier…). Da kann man doch mal daneben stellen: „Öhm, also, Jesus weihte gar nicht. Keine Frauen, aber auch keine Männer.“ Aus meiner Perspektive ist diese kleine Anmerkung drin, um die Diskussion zu befördern, inwieweit das, was wir heute haben an Hierarchie, Lehramt, Kirchenrecht, Männermacht, Anti-Gender-Behauptungen (und wenn wir nach Polen schauen – menschenverachtender Homosexuellenfeindlichkeit)… schlicht aufgrund einer historischen Entwicklung entstanden ist.
Und hier wird es dann wieder rund und positiv, wenn ich an gestern denke. Mehrfach wurde betont, dass es um Weiterentwicklung der Kirche geht, dass überprüft werden muss, was die Tradition für das Heute (noch) bedeutet und dass wir den Blick auf die Lebenswirklichkeit der Menschen richten müssen.
Wenn wir damit ernst machen, dann geht es nicht ohne Konflikt!

Regina Nagel