Willkommen beim Gemeindereferentinnen Bundesverband!

Regina Nagel

Ich heiße Regina Nagel und wohne in Widdern, Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ich bin seit 36 Jahren als GR tätig. Schwerpunkte meiner Tätigkeit sind seit vielen Jahren Ämter im Bereich von MAV und KODA. Meine Kompetenzen sehe ich vor allem im Beratungsbereich (inhaltlich wie strategisch), als Referentin oder auch als Autorin.

Als Delegierte für den Synodalen Weg vertrete ich zunächst den GR-Bundesverband, der mich für die Mitarbeit beauftragt hat. U.a. im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Chefredakteurin der Verbandszeitschrift „das magazin“ bin ich über den Kreis der Kollegen*innen hinaus bundesweit mit vielen Personen in Kontakt, die kirchlich engagiert sind, vieles kritisch sehen, sich gegen Missbrauch(svertuschung) und für frei wählbare Lebensformen für Priester und Laien in pastoralen Berufen, sowie für uneingeschränkte Gleichberechtigung einsetzen. Vieles überschneidet sich mit meinen Sichtweisen und Anliegen und ich werde entsprechende Forderungen in den Prozess einbringen – z.B. die Notwendigkeit, Strukturen zu ändern, das Weiheamt neu zu definieren, sich klar für die Priesterweihe der Frau auszusprechen, ein entsprechendes Votum der Bischöfe gegenüber Rom zu verlangen. Gleichzeitig werde ich mich aber auch für die Erweiterung der Möglichkeiten für nicht geweihte pastorale Profis (Gemeindeleitung, Taufe, Predigt in der Eucharistiefeier in allen Diözesen…) engagieren. Kompetenzen, nicht eine Weihe, müssen die entscheidenden Kriterien für Beauftragung für bestimmte Tätigkeiten und Positionen in der Kirche sein. Beispielsweise können Gemeindereferentinnen fast alles, was Diakone tun, auch ohne Weihe übernehmen. U.a. würden sie so auch Mitarbeiterrechte behalten, die sie als Klerikerinnen verlieren würden. Es geht nicht um Klerikalisierung von Laien (Frauen und Männer), sondern um Entklerikalisierung des gesamten Systems. Was die Themenbereiche beim Synodalen Weg angeht, halte ich das Thema „Macht“ für das zentrale Thema. Interesse habe ich angemeldet für die Mitarbeit beim Thema „Frauen“, da ich in diese Arbeitsgruppe die Ergebnisse meiner empirischen Studie „Frauen und Führung in der Katholischen Kirche - Erfahrungen, Einstellungen, Interessen und Kompetenzen von Frauen im pastoralen Dienst“, Paulinus Verlag, 2013, einbringen kann.
In meinem Wohnort (der mit zwei weiteren Orten zusammen eine der 8 Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit bildet) gibt es noch eine kath. Kirche und es findet etwa 1x im Monat eine Eucharistiefeier statt. Es gibt noch ca. 3-4 Angebote im Jahr für Kinder (Kinderchristmette, Sternsinger…) – zum Teil in der Kooperation mit der größeren evangelischen Kirchengemeinde. Ich vermute, dass es in 10 Jahren hier am Ort noch ein gewisses evangelisches Gemeindeleben geben wird, dem sich die wenigen verbliebenen aktiven Katholik*innen ab und zu anschließen werden. Dass es das Kirchengebäude noch geben wird bzw. dass es noch genutzt werden wird, das bezweifle ich. Eine gewisse Anziehungskraft wird für Katholiken weiterhin das 10 km entfernte Kloster Schöntal haben – was Gottesdienste anbelangt und auch bezüglich der Angebote des kath. Bildungshauses und der ebenfalls dort angesiedelten Landpastoral.

Die Kirche in Deutschland wird in 10 Jahren weiter geschrumpft sein. Ein „sich in der Mitte finden“ von Traditionalisten (echte Hardliner auf der Linie der Neoscholastik, wie auch Anhänger katholikaler neuer Bewegungen, Beispiel: Augsburger Gebetshaus) und Reformern wird es nicht geben. Möglicherweise lässt man sich gegenseitig „leben.“ Wenn ich auf den Altersdurchschnitt bei „Wir sind Kirche“ und „Maria 2.0“ schaue, dann werden diese Bewegungen eher kleiner werden. Die Konzilsbewegten sterben aus. Da unsere gesamte Gesellschaft immer mehr anfälliger wird für Populismus und angeblich einfache Antworten, sowie selbsternannte Führungspersonen, befürchte ich, dass die klugen, kritischen Stimmen weniger werden.

Wozu mache ich trotz dieser wenig hoffnungsvollen Einschätzung mit? Ich gehöre zu denen, die aufgrund von Studium, lebenslangem Lernen und langjähriger Tätigkeit einiges an Wissen und Erfahrung einbringen können. Das will ich gern tun. Und ich freue mich auf Begegnungen und Austausch mit anderen Delegierten. Klartext reden, das können wir, und das sollten wir tun.
 

Regina Nagel