Gemeindereferentinnen Bundesverband

Warum Menschen pilgern

von Steffi Piening

Im vergangenen Jahr pilgerten mehr als 260 000 Menschen nach Santiago de Compostela und bekamen im dortigen Pilgerbüro die begehrte »Compostela-Urkunde«. Auf der Welt gibt es viele Pilgerwege – doch der Jakobsweg übt eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Menschen aus.

Protestanten, Katholiken, Atheisten – sie alle sind au dem Jakobsweg unterwegs. Frauen und Männer, Akademiker und Angestellte. Unterschiedliche Nationen treffen aufeinander, doch eines eint sie alle: Sie wollen nach Santiago de Compostela pilgern. Es drängt sich
die Frage auf, warum so viele unterschiedliche Menschen das gleiche Ziel haben. Sind ihre Beweggründe ähnlich oder genauso unterschiedlich wie sie selbst?
Diese Fragen beschäftigten Christian Kurrat (34), der  nach seinem Studium 2008 auf dem Jakobsweg seine ersten persönlichen Pilgererfahrungen machte. Nur ein Jahr später war er zurück auf demWeg, doch diesmal nicht privat, sondern als Soziologe. Für seine Dissertation ging er folgender Fragestellung nach: Was veranlasst die Menschen zu pilgern, und welche religiöse Motivation treibt sie an?
Die Interviews führte Dr. Christian Kurrat in Pamplona, Belorado, Sarria und Santiago de Compostela. In intensiven Gesprächen ließ er sich die Beweggründe der Pilger schildern, dabei stellte er fest, dass man die Pilger in verschiedene Typen einteilen kann. Es kristallisierte sich heraus, dass »der Auslöser zum Pilgern in der Biographie des Pilgers begründet liegt«, erklärt Kurrat. Diese Ausgangssituation ist ganz entscheidend, wie der Pilger sich auf dem Weg verhält, wie er sich in die Gemeinschaft der Pilger eingliedert. Kurrat
unterscheidet zwischen sieben Pilgertypen: Biographische Bilanzierung, Biographische Auszeit, Biographische Krise, Biographischer Übergang, Biographischer Neustart, Biographische Stellvertretung und Biographische Berufung. Zum Typ »Biographische Bilanzierung« zählt ein 80-jähriger Deutscher, der viel von der Welt gesehen hat und sich nun auf den Pilgerweg gemacht hat, um sein eigenes Leben rückblickend zu betrachten. Er ist von Dankbarkeit erfüllt, wie sein Leben bisher verlaufen ist. Die Anstrengung nimmt er bewusst in Kauf  und bezeichnet das Laufen und die damit verbundenen Schmerzen auch als »Beten mit den Füßen«. Der Rentner sucht auf seiner Reise Ruhe, daher spielt der Gemeinschaftsgedanke der Pilger für ihn eine untergeordnete Rolle.

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Ein Wamderer unter Bäumen an einer Straße.
Ein Wamderer unter Bäumen an einer Straße.