Gemeindereferentinnen Bundesverband

Allei auf dem Jakobweg

von Anna Feldmann

Den meisten Reiseführern möchte ich hier in aller Deutlichkeit widersprechen. Der Jakobsweg ist nicht (!) für jeden etwas. Ich bin ihn Allein auf dem Jakobswegalleine gelaufen. Ja, jeder kann den Weg schaffen, aber nein, es wird nicht jedem Spaß machen und auch nicht jeden weiterbringen. Man muss kein erfahrener Wanderer sein, die körperliche Belastung habe ich als nicht so hart empfunden, fit und bewegungsfreudig sollte man jedoch schon sein.Theoretisch ist es egal, wie viele Kilometer pro Tag man zurücklegt, allerdings ist man darauf angewiesen, am Ziel eine Herberge zu finden –diese gibt es etwa alle fünf bis zehn Kilometer. Pro Tag habe ich zwischen 20 und 35 km erlaufen. Ich bin in Turnschuhen gelaufen, das war für mich perfekt. Immer mit dabei waren in einem (unglücklicherweise zu großen) Backpack ein Hüttenschlafsack, ein Reiseführer, gute Socken, eine Notfallapotheke, Sonnencreme, Kopfbedeckung und Insektenschutz. Außerdem viel zu viele Klamotten, weil ich dachte, man könne nirgends waschen. Irrtum! Die Pilger, die das wussten, haben fünf bis sechs Kilo auf ihrem Rücken getragen, ich trug das doppelte Gewicht mit mir herum. Der mitgebrachte Hüttenschlafsack jedoch war ein Segen, in vielen Betten hätte ich sonst wirklich nicht liegen wollen... Was ich dazu sagensollte: Diese öffentlichenHerbergen sind häufig kostenlos,auf Spendenbasis,oder die Betreibernehmenum die 5€ pro Nacht. Da darfman keinen Luxus erwarten.Wer sich zwischendurch eineerholsamere Nacht und einesaubere Dusche wünscht, derkann für ca. 12 € pro Nacht inein privates Hostel gehen, diesind meist sauber und gut.In allen Unterkünften undin vielen Cafés bekommtman einen Stempel für seinenPilgerpass, der vorher onlinebestellt werden kann und fürdie günstige Unterkunft vorgezeigtwerden muss.Zu Hause schmunzelte ichnoch beim Blättern durchHape Kerkelings Erfolgsbuch(„Ich bin dann mal weg“)über „seinen“ Jakobsweg, alser schreib, dass auf dem Jakobswegjeder mindestenseinmal heule. Ich war mir sicherzu wissen, worauf ichmich einlasse und dass allestoll sein würde. Weit gefehlt,die Tränen flossen schon amersten Tag. Da bin ich fast 30km gelaufen, die einzige Herberge,die ich fand, war nochnicht geöffnet, ich hatteHunger, die Restaurants warenfast alle zu, in meinem Salat,den ich schließlich bekam,waren Viecher, ichwusste nicht, was ich mitdem Resttag anfangen sollteund alles war gar nicht so rosarot.Das schreibe ich nicht,weil ich davon abraten will,den Weg zu laufen, nur, umauch die Schattenseiten nicht

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen agazin...

Pilgerin mit Rucksack
Pilgerin mit Rucksack