Willkommen beim Bundesverband der Gemeindereferent*innen Deutschlands e.V.

Katholikentag in Erfurt

Ausschnitte aus den Berichten zum Katholikentag

Michaela Labudda, Regina Nagel und Stefan Schneid berichten über ihre Erlebnisse auf dem Katholikentag in Erfurt.

Berliner Bällchen mit Bundeskanzler

Warum das Beste am Katholikentag die Begegnungen am Stand sind.

Eigentlich wollte ich am Freitagmorgen zu der Veranstaltung mit Bundeskanzler Olaf Scholz. Aber nachdem ich die noch freien Schichten erfragt habe, passt der Freitag eigentlich am besten. Also versetze ich den Bundeskanzler und mache lieber Standdienst am gemeinsamen Stand der Berufsverbände der Pastoral- und Gemeindereferent*innen Deutschlands. Als ich frohgemut und fast pünktlich erscheine, ist der Stand schon halb offen, die ersten Standdienste sind bereits fleißig. Umarmungen und Händeschütteln bei den Bekannten, Bekanntmachen mit denen, die ich heute kennenlernen darf. Schon geht es los, die ersten Passierenden bleiben stehen. So komme ich gar nicht dazu, über die kurze Einführung hinaus zu erfassen, was alles an vielseitigen Informationen an den Zeltwänden hängt und welcher Art die zahlreichen Flyer, Magazine, Buchpräsentationen und sehr augenfällig die „Mein Gott diskriminiert nicht“-Regenbogentasche der Pastis sind.

Neben der Queerness ist das Thema Missbrauch präsent. Das Buch unseres Berufsverbandes liegt aus. Außerdem gibt es eine Litanei von der liebenden Zuwendung Gottes, die durch die Besuchenden des Standes geschrieben werden kann und täglich abends um 17.30 Uhr gebetet wird. Zur Thematik des Missbrauchs und dem aktuellen Stand der Diskussionen waren wir bereits im Vorfeld zu einer Videokonferenz zusammengekommen. Thema in meiner Schicht war das eher nicht. Ich merke mir für heute, dass ich alle Pflaster und Notizbücher verschenken darf und beginne gleich mit Bischof Oster, der am Stand stehen bleibt, begleitet von einer Gruppe von Menschen, die sich in Gebärdensprache unterhalten. Das Gespräch überlasse ich den anderen, mache schnell ein Foto erst von der Bischofsgruppe, dann von Marie-Simone, Regina Nagel und mir. Dieses VIP-Foto (letzteres) versuche ich dann, auf Insta zu posten. Aber schon kommen weitere Gesprächsbereite vorbei. Es dauert eine Weile. Schließlich tippe ich auf „Senden“ und schaue auf. Neben mir posiert Ulrike mit zwei Sektflaschen. Eine Stimme ruft „Die gibt’s doch erst um 13 Uhr!“, gefolgt von der Antwort „Wir machen auch nur die Einladung!“. Ist denn schon wieder Jubiläum? Das dreißigste, ja! Ich fühle mich dinosaurierisch. Den Sekt werde ich später trotzdem trinken.

... Michaela Labudda

 

„Wir müssen gemeinsam mit anderen nach neuen Wegen zum Frieden suchen.“

Katholikentag 2024

Beim Eröffnungsabend sitze ich zeitweise so, dass ich die Bühne im Rücken habe und die vorbeifahrenden Straßenbahnen im Blick. Von hinten dröhnt in für meine Ohren plump-aggressivem Ton der Kehrvers „Shalom – shal-o-hom!“. Ich blicke in die Gesichter der Leute in der Straßenbahn, die alle mit interessiertem und leicht irritiertem Gesichtsausdruck zu uns herüberschauen.  „Was geht da ab auf dem Domplatz? Was ist das für ein Verein?“, meine ich in den Gesichtern zu lesen. Manches an diesem Eröffnungsabend empfinde ich als künstlich gehypte gute Laune. Irgendwie wirkt es wie immer und gleichzeitig aus der Zeit gefallen. Viele, die ich im Lauf der Tage nach ihrem Eindruck frage, sagen: „Ähnlich wie in Stuttgart – ein nettes Familientreffen.“ Eine sagt: „Es ist wie immer, nur sind alle älter geworden.“ Diese Wahrnehmung fällt mir wieder ein in einer Veranstaltung bei Publik Forum. Ich sitze im großen Hörsaal der Fachhochschule Erfurt ganz hinten oben: Vor mir graue Köpfe, soweit das Auge reichte. Näheres zu dieser Veranstaltung später im Text. Und ja – selbstverständlich waren junge Leute da, aber auf der Kirchenmeile und in Veranstaltungen war die Generation ü 50 besonders stark vertreten.

Ich springe zum Ende, zur letzten Pressekonferenz am Sonntag nach dem Gottesdienst. 500 Veranstaltungen haben in der Zwischenzeit stattgefunden und unzählige Begegnungen und Gespräche. Jede*r einzelne Teilnehmer*in hat davon nur einen kleinen Ausschnitt erleben können und doch in einem Zusammenspiel, das grundsätzlich als positiv erlebt wurde. Auch Berichte in verschiedenen Medien spiegeln dies wider. Die Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, beginnt ihr Statement zufrieden und sichtlich entspannt mit den Worten: „Fünf wunderschöne, bewegende – und am Ende wettergerettete – Tage liegen hinter uns! ‚Gott sei Dank‘, sage ich aus vollem Herzen.“

Alle auf dem Podium bringen ihre Zufriedenheit, auch mit dem Motto an sich und dessen Umsetzung, zum Ausdruck. „Zukunft hat der Mensch des Friedens“ sei in diesen Tagen als „zukunftsträchtiges Wir“ Wirklichkeit geworden. Sie meine damit kein katholisches „Wir“, erläutert Stetter-Karp, sondern ein ökumenisches, und dies weit über die Begegnung unter Christ*innen hinaus. Sie habe Verbundenheit erfahren, auch mit „Muslimen und Juden, mit Gottgläubigen und Säkularen.“ Es habe sich gezeigt: „Demokratie und Christsein passen gut zusammen“. Vieles in diesen Tagen bot Raum für ein gutes Miteinander, so ist der allgemeine Tenor und das entspricht dem, was viele Teilnehmer*innen rückblickend sagen. Mit auf dem Hintergrund ihrer Erinnerung an eine intensive Begegnung mit muslimischen Frauen, ist das Fazit von Stetter-Karp: „Wir müssen gemeinsam mit anderen nach neuen Wegen zum Frieden suchen.“

Im Folgenden möchte ich zunächst positive Beispiele aus meinem „Programm“ benennen, darunter eine kritische Anmerkung zu einem Bereich der Organisation und abschließend das, was mir trotz allem Sorgen bereitet.

...  Regina Nagel

„Triff Gott an der Haltestelle“

Unter diesem Motto stand der Pilgerweg zu anderen Orten, den das Team von „Andere Zeiten“ anbot. Rund 100 Teilnehmende ließen sich auch von einem Regenschauer, der kurz davor vom Himmel prasselte, nicht abschrecken. Wir starteten an der Edith-Stein-Schule. Gleich zu Beginn gab es einen Input zum Leben von Edith Stein und eine dazu passende Frage zum persönlichen Nachdenken. Weitere Stationen waren z.B. die älteste Synagoge Europas in Erfurt, der Stasi Untersuchungshof, die Predigerkirche mit Zitaten von Meister Eckart, der hier wirkte und natürlich eine Straßenbahnhaltestelle. Immer gab es passend dazu einige Hintergrundinformationen und etwas zur persönlichen Auseinandersetzung, wie z.B. eine Naturmeditation an der „wilden Gera“.

Nach vielen spannenden und interessanten Foren tat mir diese bewegte Auszeit gut. Überhaupt war Erfurt ein guter Ort für einen Katholikentag. Das reiche kulturelle Erbe, geprägt von Persönlichkeiten wie Meister Eckart, Martin Luther und den Menschen der friedlichen Revolution von 1989 gab Impulse, die die Veranstalter aufgriffen. Das Programm war vielfach ökumenisch und offen auch für konfessionslose Menschen, so dass manche auch von einem ökumenischen Katholikentag sprachen. Meiner Meinung nach ist die Zeit reif, dass ökumenische Kirchentage die Regel werden.

...  Stefan Schneid

Michaela Labudda, Regina Nagel, Stefan Schneid