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Auszüge aus dem aktuellen Magazin


Glasperlenspiele in der eigenen Filterblase. Anmerkungen zu kirchlichen Positionierungen in der Coronakrise

von Alois Halbmayr

In der Stille des Karsamstags lädt Alois Halbmayr zu einer aktuellen kirchlichen Bestandsaufnahme ein.

Normalerweise äußere ich mich öffentlich nicht zu kirchlichen Entwicklungen. Zum einen sind andere dazu berufener und gewiss auch näher an der Sache, zum anderen erspart es Ärger und Frustration. Meine Hoffnung auf eine Reformierbarkeit der Kirche ist in weiten Teilen zum Erliegen gekommen. Ich sehe nicht, wie die verschiedenen Veränderungsimpulse auf fruchtbaren Boden fallen könnten. Re-Klerikalisierung, institutionelle Fixierung und Milieuverengung schreiten munter voran, eine Trendwende kann ich derzeit nicht erkennen.

Ekklesiologische Fragen diskutiere ich normalerweise mit Kolleg*innen bei Zusammenkünften und mit Studierenden im Hörsaal. Das ist mir derzeit nur sehr begrenzt möglich, deshalb formuliere ich an dieser Stelle einige Aspekte, die aus meiner Sicht in den derzeitigen kirchlichen Debatten, die ja immer implizit auch theologische sind, etwas zu kurz kommen:

1. Die Unangebrachtheit der Strafmetapher. Es hat sich bereits recht hurtig so etwas wie eine eigene Coronatheologie entwickelt. Sie stellt sich der Frage, wie die Coronakrise theologisch zu deuten sei. Qualität und Überzeugungskraft der beigebrachten Argumente sind, wie immer in solch erhitzten Zeiten, sehr unterschiedlich. Neben lautem Getöse, nerviger Besserwisserei und moralischem Überlegenheitsgestus finden sich auch nachdenkliche Analysen, die ihre Ratlosigkeit bekennen und im Urteil sehr abwägend sowie zurückhaltend sind. Interessanterweise taucht in diesen Diskursen relativ häufig das Strafargument auf, natürlich in verwandelter und zeitgemäßer Form. Die Diktion geht in etwa so: Corona ist keine Strafe Gottes (offensichtlich muss man das immer noch betonen), aber es fordert uns auf, unseren Lebensstil zu ändern. Denn, so diese Logik, wir haben die Natur ausgebeutet, ungerechte Gesellschaftsordnungen geschaffen, den Kapitalismus nicht gehemmt und ökonomische Verwerfungen zugelassen. Covid-19 ist in gewisser Weise die Rache der Natur bzw. unserer entfremdeten Lebensart, letztlich also die Strafe für unser Verhalten oder zumindest dessen Konsequenz. Logisch und pragmatisch funktioniert dieses Argument exakt so wie das Argument der Gottesstrafe, nur ist es nicht ein Gott, der uns die Plage schickt, damit wir umkehren, sondern die Natur, die als säkularisierte Strafinstanz erscheint.

Die entscheidende Herausforderung liegt darin, die Streuung des Virus zu begrenzen

Vor solchen Argumenten wird sich der aufgeklärte Zeitgeist geflissentlich hüten. Denn er weiß: Pandemien hat es immer gegeben und sie würden wohl auch in der gerechtesten und ökologischsten aller Welten vorkommen. Pandemien gibt es, so sagt es die historische Zunft, seit es Menschen gibt und sie treten immer dort auf, wo hohe Bevölkerungsdichten existieren und damit ausreichend Möglichkeiten der Streuung vorhanden sind – und diese erweitern sich nun einmal in einer globalisierten Welt. Die entscheidende Herausforderung liegt deshalb immer darin, die Streuung des Virus so gut es geht zu verhindern bzw. zu begrenzen. Mit Rache, Strafe, Schuld hat sein Aufkommen nichts zu tun.

2. Das Eingestehen des Nichtwissens und die Perspektive des Hiob.

(Artikel zuerst erschienen in »feinschwarz – theologisches Feuileton« am 14.04.2020. · https://www.feinschwarz.net/glasperlenspiele-inder-filterblase-kirchliche-positionierungen-in-coronakrise/)

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Seelsorge für Covid-19-Erkrankte

von Pfr. Daniel Lerch

Die Bilder aus Bergamo gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. An einem Mittwochabend im März reiht sich ein Konvoi von Militärfahrzeugen an einer Straße in der Nähe des Friedhofs auf. Die ganze Nacht über werden sie die Aussegnungshalle anfahren und Särge aufladen, um die Toten in andere Städte zu befördern, weil Friedhof und Krematorium sie nicht mehr aufnehmen können. Eine würdige Verabschiedung von den Toten ist in Zeiten der Corona-Pandemie unmöglich geworden.

Seelsorge und christliche Riten, die gerade an der Schwelle des Todes eine so wichtige Bedeutung haben, sind nur noch sehr eingeschränkt möglich. Dennoch haben viele Seelsorgende im Norden Italiens den Kranken und Sterbenden beigestanden. Sie haben sie besucht und mit ihnen gebetet, sind für ein Gespräch zur Verfügung gestanden oder haben ihnen die Krankensalbung gespendet. Sie folgten damit auch einem Appell von Papst Franziskus, der die Priester zu Beginn der Pandemie dazu aufgerufen hatte, sich um Kontakt zu Infizierten zu bemühen und ihnen die Kommunion zu bringen.

Man muss leider davon ausgehen, dass sie dies nicht immer mit der erforderlichen Schutzausrüstung getan haben. Weit über hundert Priester sind allein in Italien am Coronavirus gestorben. Ordensschwestern oder Diakone sind in den veröffentlichten Statistiken der italienischen Diözesen nicht enthalten.

Für die Verantwortlichen der Krankenpastoral in der Erzdiözese München und Freising stand schon am Beginn der Coronakrise in Deutschland fest, dass Seelsorgende zur Begleitung von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, speziell befähigt und ausgerüstet werden müssen.

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