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Auszüge aus dem aktuellen Magazin


Pionierinnen der Seelsorge - die ersten Seelsorgehelferinnen

von Daniela Blank

„Mit Tränen in den Augen sagte H. P. Wiesen […]: „Ich werde mich doch auf euch verlassen können.“ Dann zogen wir mit Begeisterung u. hohen Idealen hinaus in die Berufsarbeit mit Berufstracht u. Schleier, die Marg. Ruckmich entwerfen ließ.“
So erinnerte sich Anna Scharbach, Absolventin des ersten Gemeindehelferinnenkurses, welcher 1928 bis 1930 in Freiburg stattfand, an den Tag ihrer Berufsweihe. Erst zwei Jahre zuvor ist sie mit großer Erwartung nach Freiburg gefahren, um dort mit 28 weiteren jungen Frauen diese neue Ausbildung zu beginnen:
„Es war für mich ein entscheidender Tag, der 17. April 1928, wo ich in Freiburg mit 28 jungen Frauen aus ganz Deutschland an einem Eröffnungsgottesdienst der Gemeindehelferinnenschule in der Kapelle des Werthmannhauses im 5. Stock teilnahm. H.H. Prälat Kreutz u. H.H. Wilhelm Wiesen feierten die hl. Messe. Zum ersten Mal begegneten wir Frau Marg. Ruckmich. Anschließend war gleich nach einer Begrüßung die erste Unterrichtsstunde.“
Ein historischer Moment: Die ersten Gemeindehelferinnen wurden ausgebildet! Bisher gab es keine Möglichkeit für Frauen, in der Kirche hauptberuflich einen pastoralen Beruf auszuüben – abgesehen von der Entscheidung für ein Ordensleben.
Die Entscheidung, für diese neue Ausbildung nach Freiburg zur Gemeindehelferinnenschule zu fahren, war für viele der Pionierinnen nicht einfach.
Eine Schülerin, welche 1935 ihre Ausbildung im Freiburger Seminar beendete, „wählte zwischen zwei Berufsausbildungen, die [ihr] am Herzen lagen, nämlich zwischen Kunstgewerbeschule Augsburg und dem damals noch sehr unbekannten Beruf der Seelsorgehelferin, das letztere. Eine Frau in der damals noch ganz „männlichen“ Kirche!! Bischöfe und Pfarrer standen dieser Neuerung noch sehr skeptisch, wenn nicht ablehnend gegenüber.“ Sie entschied sich trotzdem für diesen Weg!
Eine weitere angehende Seelsorgehelferin machte sich 1940 auf die Reise nach Freiburg, obwohl ihre Verwandtschaft ihr von dieser Ausbildung abriet. Für sie war die Entscheidung ein Schritt in die Freiheit: „Die Fahrt nach Freiburg mit dem kleinen Koffer war für mich wie ein Vorkosten des Paradieses, wie die Erfüllung aller meiner Wünsche. Mein Vater und viele Gutmeinende hatten mir abgeraten...“ Die Zweifel sind nachvollziehbar, denn die berufliche Zukunft der Seelsorgehilfe war noch unsicher, zumal sie weitestgehend unbekannt war.

Leben und Lernen in Freiburg

Die Schülerinnen wohnten damals in einem Wohnheim in der Hildastraße 65 in Freiburg, in dem auch Margarete Ruckmich lebte. Dort erlebten die jungen Frauen eine ganz neue Freiheit: Sie konnten kommen und gehen, wann sie wollten, sofern sie sich auf einer Tafel im Eingangsbereich an- und abmeldeten. Das war sicher eine ganz bewusste Einrichtung von Margarete Ruckmich, denn die Frauen sollten sich daran gewöhnen, eine selbstverantwortete Unabhängigkeit zu besitzen. Dies war für den späteren Einsatz in den Gemeinden notwendig. Die Gemeindehelferinnenschule befand sich ganz in der Nähe des damaligen Deutschen Caritasverbandes in der Belfortstraße. Zwei Jahre dauerten diese ersten Lehrgänge.

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Interviewmit Johanna Beck

von Die Fragen stellte Regina Nagel

Im Zusammenhang mit meiner Mitarbeit im Synodalen Weg durfte ich Johanna Beck kennenlernen. Johanna nimmt kein Blatt vor den Mund, sie sagt und schreibt, was Sache ist. Das gefällt mir und ich habe mich gefreut, dass sie bereit war zu einem Interview.

Liebe Johanna, vielen Dank für deine Bereitschaft, mit mir über dein Buch ins Gespräch zu kommen. Bei Wikipedia steht, dass die KPE gegründet wurde, weil die DPSG nicht katholisch genug gewesen sei. Auch heute, 50 Jahre danach, gibt es diese Stimmen, dass Jugendarbeit endlich wieder richtig katholisch werden müsse und nicht so locker, kirchenkritisch und politisch wie z.B. BDKJ-Arbeit sein solle. Angenommen, ich wollte so eine radikal-katholische Jugendorganisation gründen, was würdest du mir raten, damit es auch gelingt?

Johanna Beck (JB): Erzähl einfach allen, dass diese Gruppierung die einzig wahre und gottgewollte ist. Alles andere, alles weniger strenge, ist vom Satan! Tritt selbstbewusst auf, sodass jedes Kind kapiert: Die weiß genau, was richtig und falsch ist. Dabei solltest du bei möglichst jungen Kindern damit anfangen, am besten schon bei 5-Jährigen oder spätestens in der Grundschule. Picke dir da schon ein paar drastische, apokalyptische Bibelzitate heraus und mach ihnen Angst. Jage ihnen Angst ein und erklär‘ ihnen dann, was sie tun können, damit sie gerettet werden.

Ok, reicht das? Oder wie bekomme ich es hin, dass diese Gruppierung Kreise zieht und wächst?

JB: Such dir ein paar wohlhabende, dem althergebracht Katholischen verbundene Leute. Schau dich bei Adeligen um und nimm Kontakt zu ausgewählten Bischöfen auf. Und gründe einen eigenen Orden, dann kannst du die Jugendlichen anleiten, entweder dem Orden beizutreten oder untereinander zu heiraten. Natürlich darfst du Mädchen und Jungs nicht zu früh miteinander in Kontakt bringen. Bringe ihnen getrennt voneinander bei, wie gefährlich und sündig Sexualität ist und auch, dass Verhütung selbstverständlich verboten ist. Ergänzt durch ein paar frauenfeindliche Bibelstellen hast du das perfekte Konzept, das seinen Nachwuchs selbst reproduziert.

Jetzt mal im Ernst. Eltern ohne Kontakt zur Kirchengemeinde oder christlichen Gruppierungen kann es ja passieren, dass ihr Kind erzählt, dass es von einer Freundin oder einem Freund in eine Kindergruppe eingeladen wurde, in der es irgendwie um Jesus gehe. Die Mutter des Kindes fragt dich, was du davon hältst und worauf sie achten sollte. Was würdest du ihr raten?

JB: Auf jeden Fall sollte sie nachfragen, was die Kinder dort so machen. Beim geringsten Verdacht, dass es hier um religiöse Manipulation gehen könnte, sollte sie Kontakt mit den Verantwortlichen suchen und nach dem Konzept fragen. Interessant ist bei so einem Gespräch, wie die Personen mit kritischen Nachfragen umgehen. Falls es sich um eine geistliche Gemeinschaft handelt, würde ich an ihrer Stellen sofort im Internet nachsehen und mich auch sonst möglichst genau informieren. Alarmiert sollten die Eltern sein, wenn das Kind erzählt, dass es irgendwas Religiöses tun muss – z.B. „Ich muss jetzt noch beten“ oder „Ich muss zur Beichte gehen.“ Bei allem, was sich so anhört, als würden die Leiter*innen den Willen Gottes kennen und Vorschriften machen, was und wie man zu glauben habe, sollten die Eltern sehr kritisch hinhören. Meiner Erfahrung nach sollte man lieber zu früh als zu spät auf ein ungutes Bauchgefühl hören...

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