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Auszüge aus dem aktuellen Magazin

2007-2014 STUDIUM VON KATHOLISCHER
THEOLOGIE, LATEIN, PHILOSOPHIE/ETHIK IN
TÜBINGEN UND ROM, SEIT APRIL
2015 WISS. MITARBEITERIN AM LEHRSTUHL
FÜR ALTES TESTAMENT IN TÜBINGEN.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE:
GENDERSENSIBLE EXEGESE;
REZEPTIONSGESCHICHTE;
BIBLISCHE NARRATOLOGIE.
2007-2014 STUDIUM VON KATHOLISCHER THEOLOGIE, LATEIN, PHILOSOPHIE/ETHIK IN TÜBINGEN UND ROM, SEIT APRIL 2015 WISS. MITARBEITERIN AM LEHRSTUHL FÜR ALTES TESTAMENT IN TÜBINGEN. FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE: GENDERSENSIBLE EXEGESE; REZEPTIONSGESCHICHTE; BIBLISCHE NARRATOLOGIE.

Lots Frau: bei der Flucht auf der Strecke geblieben

von Berenike Jochim-Buhl

Der Artikel von Berenike Jochim-Buhl wurde im Februar 2016 bei „Feinschwarz“ veröffentlicht. Sie greift darin das Motiv von Lots Frau, die zur Salzsäule erstarrt, im damaligen Fluchtkontext zum Erleben syrischer Flüchtender auf. Ihre Gedanken dazu haben nichts an Aktualität eingebüßt. Die Pandemie, der Angriff Russlands auf die Ukraine oder auch die aktuelle Situation im Iran sind Ereignisse nach 2016, in denen es unzählige namenlose Opfer und Gescheiterte gab und jeden Tag gibt.

Der Film „Queens of Syria“ dokumentiert, wie geflohene Syrerinnen ihr persönliches Schicksal mit dem der vergewaltigten, erniedrigten, versklavten Frauen vor Troja verknüpfen. Im Rahmen eines Theaterprojekts schlüpfen sie in die Rolle der „Troerinnen“ aus der gleichnamigen Tragödie des Euripides. Die Dokumentation warf in mir die Frage auf, inwiefern der zeitlose Schrecken des menschlichen, in besonderer Weise auch weiblichen Leidens in und nach einem Krieg und der damit verbundenen Zerstörung, Gewalt und Lebensauslöschung nicht nur im antiken Mythos, sondern auch vor dem Hintergrund einer biblischen Geschichte gelesen werden könnte. Ist das vernichtete Sodom nicht gleichfalls ein brennendes Troja, ein kriegsverletztes Damaskus?
Ist das vernichtete Sodom nicht gleichfalls ein kriegsverletztes Damaskus?
Eine brennende Stadt, Tod und Verwüstung, verzweifelte Flucht im Morgengrauen, Rettung in letzter Sekunde. Und dann der Blick zurück auf die Heimat, die es zu verlassen gilt, das Haus, in dem sie glücklich war, in dem sie Kinder geboren, Gäste bewirtet, in dem sie sich niedergelassen hat. Der Blick zurück auf die Menschen, die ihr lieb und teuer waren, mit denen sie gelacht und geweint hat, die ihr Geborgenheit, Freundschaft und Vertrauen schenkten. Der Blick zurück auf die Zerstörung, Gewalt, Auslöschung und Brutalität, in der ihr altes Leben untergeht, vor sich ein steiniger Weg durch Wüste und Wildnis ohne konkretes Ziel. Und der Blick lässt sie erstarren. Mitten auf dem Weg der Flucht, der doch die Rettung sein sollte.
Dies ist die Geschichte der Frau des Lot, die auf dem Fluchtweg aus dem brennenden Sodom im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleibt. Sie erstarrt zur Salzsäule im Anblick der Stadt, die dem Erdboden gleichgemacht, in der das Oberste zuunterst gekehrt wird.

„Lots Frau aber, hinter ihm, blickte zurück und wurde zu einer Salzsäule.“ (Gen 19,26)
Ihr Mann Lot und ihre beiden Töchter schaffen den Absprung, sie blicken nach vorn in eine ungewisse Zukunft. Lot selbst war als Fremder in die Stadt gekommen. Das Wurzelschlagen in Sodom wurde ihm durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen mesopotamischen Königen und Herrschern aus dem Jordangraben erschwert. Er musste sich die Stadt ein zweites Mal zur Heimat machen, nachdem er in Kriegsgefangenschaft verschleppt worden und von seinem Onkel Abraham befreit zurückgekehrt war. Er, der noch bis zuletzt in einer Stadt der Sünde und Gewalt den guten Ruf seines Hauses verteidigte, das Gastrecht hochhielt und sogar bereit war, dem brutalen Mob vor seiner Haustür die eigenen Töchter zu opfern, um die Gäste seines Hauses nicht zu entehren, muss fliehen. Erst als es gar nicht mehr anders geht, macht sich die Familie auf den Weg. Der Entschluss: nicht selbst gewählt, sondern von Gottes Boten an der Hand genommen, gedrängt, zur Eile ermahnt, hinausgetrieben. Das Verbot sich umzudrehen: zum Schutz der Familie, damit es sich keiner anders überlegt und doch bleiben will – koste es, was es wolle?
Lot und die Töchter schaffen den Absprung, sie blicken nach vorn.
Lots Frau war nicht stark genug. Oder war sie gerade stark?

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Foto: Karl Rahner Akademie
Foto: Karl Rahner Akademie

SynodalerWeg - eine Chance auf Veränderung? Hoffnung oder Illusion?

von REGINA NAGEL

Eine Veranstaltung der Karl Rahner Akademie in Köln

Wenn von der Unvereinbarkeit von Meinungen und Interessen der Synodal*­innen die Rede ist, dann geht es meist um die Gegensätze zwischen Reformer*­innen und Traditionalist*innen. Allerdings gibt es in der großen Gruppe derer, die überzeugt sind, dass die katholische Kirche nicht so bleiben darf, wie sie ist, ebenfalls zwei Gruppen. Die einen sehen echte Chancen auf Reformen durch den Synodalen Weg, andere glauben nicht (mehr) daran. Während und nach der letzten Versammlung ist die Gruppe derer Zuversichtlichen deutlich kleiner geworden. Eine, die die Hoffnung auf eine katholische Transformation noch nicht aufgegeben hat, ist die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Tine Stein, Beraterin im Synodalforum „Macht und Gewaltenteilung“. Am 07.11.2022 war sie in der Reihe „frank&frei“ (einem Gesprächsformat mit dem Journalisten Joachim Frank) in der Karl Rahner Akademie in Köln zu Gast, zusammen mit einer weiteren Politikwissenschaftlerin, Dr. Christiane Florin. Ch. Florin sagte in einem Interview kurz vor der Veranstaltung, dass sie von Anfang an keine großen Hoffnungen in diesen Weg gesetzt habe. Sie habe Respekt vor dem Engagement, teile die Reformanliegen, halte jedoch das Vertrauen auf die Kraft des besseren Arguments für eine Illusion.
Der Saal war voll, die Online-Teilnehmer*­innen waren zugeschaltet und nach der Begrüßung durch Akademieleiter Norbert Bauer startete Joachim Frank mit dem Zitat einer der beiden Frauen aus einem Gespräch unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung. Sie habe gesagt: „Sobald heute in ein und demselben Satz die Begriffe ‚Synodaler Weg‘ und ‚Hoffnung‘ fallen, verlasse ich sofort den Saal.“ Franks Vermutung, dass sie mit der Drohung nicht Ernst machen würde, bestätigte sich, nachdem er einen Satz aus einem Interview mit Tine Stein zitiert hatte, in dem sie sagte, dass Sie im Synodalen Weg und in der Kirche bleibe, weil sie mit der Kirche trotz aller Dunkelheit Licht und Hoffnung verbinde. Die Einstiegsfrage an beide lautete: „Synodaler Weg – geht da noch was?“ Die Antworten zeigten den inhaltlichen Dissens der beiden Politikwissenschaftler*innen, der sich dann durch den ganzen Abend zog. Florin sagte: „Bitten geht ja immer. … Nach dem Scheitern des Papiers zur Sexualmoral hätte ich erwartet, dass die Synodalen den Prozess beenden. Aber nein, der Weg muss gegangen werden bis zum bittenden Ende.“ T. Stein entgegnete: „Nein, nicht bis zu einem bitteren oder bittenden Ende. Wir haben glasklare Forderungen gestellt an die episkopal verfasste Kirche und diese Forderungen sind auch bei den Bischöfen angekommen.“ Nach dem Beinahe-Crash in der letzten Versammlung, so gab sie ihren Eindruck wieder, hätten junge Leute und mit ihnen weitere Synodal*innen einen Aufstand gemacht und die Bischöfe hätten gemerkt: Wir müssen was tun!

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